Leitfaden · Cynefin

Erste Schritte mit Cynefin

Wie fängt man mit Cynefin an? Nicht mit einem Schaubild, sondern mit Ihrem eigenen Material. Hier steht, wie Sie das selbst angehen können und wo es meistens hakt.

Die ehrliche Version

Sie können ohne externe Moderation anfangen. Leicht ist es nicht. Die Übung lebt davon, dass jemand die Gruppen durch Uneinigkeit und Unsicherheit führt, ohne selbst Partei zu ergreifen. Das ist schwer, wenn man selbst mitten in der Sache steckt, und das Cynefin-Wiki setzt für die Moderation voraus, dass man Cynefin gut kennt.

Wenn Sie es trotzdem selbst versuchen möchten, helfen die folgenden drei Schritte.

Drei Schritte

  1. Material sammeln

    Sammeln Sie einen Datensatz aus echten Situationen oder kurzen Geschichten aus Ihrem eigenen Umfeld: Entscheidungen, Vorhaben, Probleme, Risiken, je eine pro Karte. Das Wiki nennt etwa 15 bis 25 Karten als üblichen Umfang.

    Sammeln Sie das Material vorher, nicht erst im Workshop. Zum Üben gibt es im Wiki auch fertige Beispieldatensätze.

  2. Eine 3-Punkte-Übung durchführen

    Die Übung heißt im Wiki 3-Points (Three Points Contextualisation) und ist dort ausführlich beschrieben. Hier nur die Grundidee.

    Mehrere kleine Gruppen arbeiten getrennt mit demselben Material. Jede Gruppe legt zuerst drei Karten als Ankerpunkte an drei Stellen ihrer Fläche: eine Situation, für die es eine richtige Antwort gibt; eine, deren richtige Antwort erst im Rückblick erkennbar ist; und eine, in der man sofort handeln muss, ohne Zeit für Analyse. Dann ordnen die Gruppen alle anderen Karten im Verhältnis dazu an.

    Erst danach ziehen sie Grenzen. Die Domänen entstehen also aus dem Material und werden nicht vorab vorgegeben. Zum Schluss vergleichen die Gruppen ihre Ergebnisse: Was ist gleich, was ist anders, was überrascht?

  3. Mit Safe-to-fail-Experimenten beginnen

    Für die Situationen, die im Komplexen landen, gibt es keine richtige Antwort, die man vorher ausrechnen kann. Planen Sie stattdessen mehrere kleine Safe-to-fail-Experimente parallel, jedes so angelegt, dass der Schaden klein bleibt, wenn es scheitert.

    Legen Sie vorher fest, woran Sie erkennen, ob ein Experiment wirkt. Was wirkt, verstärken Sie; was nicht wirkt, beenden Sie.

Wo es meistens kippt

  • Über Domänen streiten statt Situationen platzieren. Die Frage ist nicht, was „komplex“ bedeutet, sondern wo diese eine Situation im Verhältnis zu den anderen liegt.
  • Mit den Domänen anfangen. Wer zuerst Felder zeichnet und dann einsortiert, findet meist nur bestätigt, was man vorher schon dachte. Die Grenzen kommen zum Schluss.
  • Nur eine Gruppe. Erst der Vergleich mehrerer Gruppen zeigt, wo Sie sich einig sind und wo nicht. Lassen Sie die Gruppen getrennt arbeiten, damit sie sich nicht gegenseitig beeinflussen.
  • Die Moderation spielt mit. Wer moderiert und zugleich eine Meinung zur Sache hat, lenkt die Gruppe, oft ohne es zu merken.
  • Beim Bild stehen bleiben. Die fertige Karte ist noch kein Ergebnis. Sie lohnt sich erst, wenn daraus Experimente oder Entscheidungen folgen.

Unterstützung gewünscht?

Wenn Sie die Übung nicht allein moderieren möchten oder schon wissen, dass Sie mehr brauchen als eine Einordnung: Mit Affordance Mapping schauen wir gemeinsam, was Ihre Organisation tatsächlich möglich macht und was sich davon für Neues nutzen lässt.

Wie wir sonst mit Cynefin arbeiten, steht auf der Seite Cynefin in der Praxis.

Zum Workshop Affordance Mapping

Cynefin® ist eine eingetragene Marke der Cognitive Edge Pte Ltd, die heute als The Cynefin Company auftritt. Exaptation ist mit The Cynefin Company weder durch eine Partnerschaft noch durch eine Lizenz oder Akkreditierung verbunden.